Biografie

La Stagione Frankfurt
© Marco Borggreve
La Stagione Frankfurt
Michael Schneider - Leitung
Unter den führenden Ensembles für Alte Musik hat sich das Orchester La Stagione Frankfurt seit seiner Gründung 1988 einen unverwechselbaren Platz im internationalen Musikleben erworben.
Das Aufspüren vergessener Meisterwerke ist dem Gründer Michael Schneider ein besonderes Anliegen. Unter dem künstlerischen Motto "Unerhörtes hörbar machen" führt er immer wieder unbekannte Musik auf oder präsentiert altbekannte Werke in einer neuen, unverbrauchten Klangsprache.
Im Mittelpunkt der Arbeit von La Stagione Frankfurt stehen neben Werken bekannter Komponisten zwischen Frühbarock und Klassik (wie Monteverdi, G. Ph. Telemann, J. S. Bach, A. Vivaldi, G. Fr. Händel, J. Haydn, W. A. Mozart) auch Aufführungen und Aufnahmen von Werken weniger bekannter Komponisten, darunter I. Holzbauer, J. A. Hasse, F. I. Beck, F. und G. Benda, der Bach-Söhne, A. Stradella, F. Geminiani und A. Scarlatti. Projekte mit Musik des 20. Jahrhunderts, wie z.B. Karlheinz Stockhausens "Tierkreis" bei den Kasseler Musiktagen und den Tagen Alter Musik in Herne, erweitern das Spektrum des Orchesters.
La Stagione realisiert unter der Leitung Michael Schneiders thematisch individuell konzipierte Projekte in den Bereichen Oper, Oratorium und Sinfonik. So u.a. Händels Rodelinda bei den Händelfestspielen Halle (Regie: Christian Gangneron), Telemanns Der neumodische Liebhaber Damon bei den Telemann-Festtagen Magdeburg (Regie: Ulrich Peters), Bendas Melodramen Ariadne auf Naxos und Medea bei den Festspielen Potsdam-Sanssouci (Regie: Jürgen Tamchina), Scarlattis La Colpa, La Grazia, Il Pentimento in La Chaise-Dieu (Frankreich). Hasses Piramo e Tisbe und St. Elena all' Calvario wurde in Zusammenarbeit mit der Hasse Gesellschaft und dem NDR produziert. Karl-Heinz Stockhausens Tierkreis wurde 2003 bei den Kasseler Musiktagen in Michael Schneiders Fassung für Barockensemble welturaufgeführt.
La Stagione Frankfurt arbeitet mit zahlreichen renommierten Solisten zusammen, wie z.B. den Sängern Ruth Ziesak, Ann Monoyios, Carolina Ullrich, Claron Mc Fadden, Christoph Prégardien, Markus Schäfer, Olaf Bär, Gotthold Schwarz und Emma Kirkby oder Instrumentalisten wie Steven Isserlis und Reinhold Friedrich zusammen.
Regelmäßige Einladungen von bedeutenden europäischen Festspielen der Alten Musik und von internationalen Konzerthäusern führten das Ensemble auf zahlreiche Podien, darunter das Concertgebouw Amsterdam, das Festival Oude Muziek Utrecht, das Konzerthaus und der Musikverein Wien, die Alte Oper Frankfurt, das Palau de la Música Barcelona, das Palais des Beaux-Arts Brüssel, die Göttinger und Hallenser Händel-Festspiele, das Würzburger Mozartfest, das Konzerthaus Baden-Baden, Gasteig München, die Frauenkirche Dresden, die Scala di Milano, das Lufthansa Festival London, die Haydnfestspiele Eisenstadt und das Spring Festival Budapest.
Auch belegen die vielen hochgeschätzten CD-Aufnahmen das Renommee von La Stagione Frankfurt. Mehr als 30 CD-Produktionen erschienen u.a. bei Delta Capriccio, Deutsche Harmonia Mundi, Koch-Classics und cpo. Die Einspielung von Sinfonien F. I. Becks und die Ouvertüre zu La Mort d'Orphée (cpo) wurde mit dem "Preis der Deutschen Schallplattenkritik" (04/2004) ausgezeichnet, F. Geminianis Zauberwald (Delta-Capriccio) erhielt den Classica Award im September 2004. Die Aufnahme der Cembalokonzerte von G.A. Benda mit der Solistin Sabine Bauer erschien im Jahr 2005 (cpo), eine Gesamtaufnahme der Bläserkonzerte von G. Fr. Telemann, die 10 CDs umfassen wird, ist in Vorbereitung.
Michael Schneider studierte an der Musikhochschule in Köln Querflöte, Blockflöte und Violoncello. Als Preisträger des Münchner ARD-Musikwettbewerbs begann er bereits 1978 seine Karriere als Flötist. 1979 war er Mitbegründer der Camerata Köln. 1988 gründete er das Barock-Ensemble La Stagione Frankfurt, mit dem er als Dirigent bekannt wurde und unter anderem im Konzerthaus Wien, dem Palais des Beaux Arts in Brüssel und der Mailänder Scala auftrat.
Schneider ist zu einem gefragten Dirigenten für moderne Sinfonie- und Barockorchester avanciert. Seine Opernproduktionen feierten an den Bühnen in Bielefeld, Magdeburg, Gießen und Darmstadt große Erfolge. Schneiders Interpretation von Händels „Rodelinda“ sowie dem „Alexanderfest“ im Rahmen der Händel-Festspiele in Halle an der Saale fanden große Resonanz.
Schneider gastierte als Dirigent bei der Cappella Coloniensis, der Kammerphilharmonie des MDR Leipzig, dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt, der Mittelsächsischen Philharmonie Freiberg, dem Orchester des Staatstheaters Darmstadt, dem Jerusalem Baroque Orchestra, der Israel Camerata und dem Israel Chamber Orchestra. Er arbeitete zudem mit den Bielefelder und den Magdeburger Philharmonikern sowie mit dem Züricher Kammerorchester zusammen.
Als Spezialist der Alten Musik setzt sich Michael Schneider insbesondere für die Wiederentdeckung vergessener Meisterwerke aus Barock, Frühklassik und Klassik ein. Der barocken Tradition verpflichtet, zieht er in seinem künstlerischen Schaffen keine scharfe Trennlinie zwischen der Rolle des Musikers und der des Dirigenten. Über 100 CD-Aufnahmen dokumentieren seine Vielseitigkeit als Dirigent und Flötist.
1980 wurde Michael Schneider als Professor für Blockflöte an die Universität der Künste nach Berlin berufen. Drei Jahre später wechselte er an die Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Dort richtete er das „Institut für Historische Interpretationspraxis“ ein und betreut seitdem als Dozent den dazugehörigen Aufbaustudiengang. Seine Fähigkeit „modern“ ausgebildeten Instrumentalisten die Aufführungspraxis der Alten Musik undogmatisch näherzubringen, wird auch bei seiner Arbeit als Dirigent spürbar.
Im Jahr 2000 wurde Michael Schneider der Telemann-Preis der Stadt Magdeburg für seine Verdienste um das Werk des Komponisten verliehen.