Programme

WELTLICHE PROGRAMME


Nymphe - Göttin - Amazone

Metamorphosen der Frau in der Musik des Barock

Wer meint, dass die Emanzipation des weiblichen Geschlechts erst eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts sei, wird in diesem Programm eines Besseren belehrt. Denn es zeichnet mit den affektgeladenen Klängen des italienischen Barock die Geschichten von fünf Frauengestalten der Mythologie nach, die in beeindruckender Weise verdeutlichen, welche Abwandlungen das Bild der Frau bereits in jener Zeit des dominierenden Patriarchats - zumindest in einer fernen antik-mythologischen Welt der Kunst - erfahren konnte.

Hier begegnen wir Atalante, die nach der Geburt ausgesetzt und von Bären gesäugt, zu einer selbstbewussten Jägerin und Läuferin heranwächst und stets bewaffnet ihre Jungfräulichkeit verteidigt, die sie, ihrem Schwur gemäß, bis zum Ende ihres Lebens bewahrt. Und noch eine starke Kämpferin tritt in Erscheinung: Hippolyte, die Königin der Amazonen, von denen es heißt, sie waren „ein Volk, stark im Kriege, denn sie pflegten männliche Tugenden.”

Auch Medea ist eine Frau von großer Macht, denn nur ihrem Zauber verdankt der Geliebte Iason es, dass er die Feuerproben des Königs Aietes besteht und das Goldene Vlies erringt. Ebenso Theseus ist auf die Hilfe Ariadnes angewiesen, als er den Minotaurus bezwingt und nur dank des Fadens, den Ariadne ihm gab, den Weg aus dem Labyrinth der Bestie findet.

Lediglich das Schicksal der Nymphe Kallisto, einer Gefährtin der Jagdgöttin Artemis, beschreibt eine andere, weniger ruhmreiche Metamorphose. Getäuscht und verführt durch Jupiter, wird sie zur Strafe von der eifersüchtigen Juno in eine Bärin verwandelt und später als Sternbild ans Firmament versetzt.


Besetzung: Sopran, 2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass, Theorbe, Harfe, Cembalo

Programmauszug, wird ergänzt:  
Francesco Cavalli (1602-1676) “Piante ombrose” (Arie der Calisto aus “Calisto”)
Alessandro Stradella (1639-1682) “La Medea” (Kantate für Sopran und b.c.)
Alessandro Scarlatti (1660-1735) “Arianna” (Kantate für Sopran, Streicher und b.c.)
Georg Friedrich Händel (1685-1759) “Riportai gloriosa palma” (Arie der Atalanta aus“Atalanta”)
Antonio Vivaldi (1678-1741) “Onde chiare” (Arie der Ippolita aus “Ercole sul termodonte”)
Morir d’amore - Verführung und Liebestod  
Sinnliche Musik des italienischen Barock  
   
Sigismondo d’India (1582-1629) Chi nudrisce mia speme cor mio (2 Soprane)
  Aus: Le Musiche a due voci, Venezia 1615
Claudio Monteverdi (1567-1643) Bel Pastore (Sopran und Tenor)
  Aus: Madrigali e Canzonette Libro IX, 1651
Luigi Rossi (1597-1653) Speranze sentite (2 Soprane)
  Aus: Bibl. del Conservatorio San Pietro a Majella
Claudio Monteverdi (1567-1643) Se il vostro cor Madonna (Tenor und Bass)
  Aus: Concerto Settimo libro di Madrigali, 1619
Sigismondo d’India (1582-1629) La mia filli crudel (2 Soprane)
  Aus: Le Musiche a due voci, Venezia 1615
Barbara Strozzi (1619-1677) O soffrire, o fuggire (2 Soprane und Bass)
  Aus: Il primo libro di madrigali op. 1, 1644
Giovanni Felice Sances (1600-1679) Tirsi morir volea (Sopran, Tenor und Bass)
  Aus: Cantate Libro secondo, parte seconda, 1633
Luigi Rossi (1597-1653) Non ho che perder più (Sopran und Bass)
  Aus: Bibl. del Conservatorio San Pietro a Majella
Giacomo Carissimi (1605-1674) Il mio cor è un mar di pianti (2 Soprane)
  Aus: Bibl. del Conservatorio San Pietro a Majella
Alessandro Stradella (1639-1682) Fulmini quanto sa (Sopran und Bass)
  Aus: Cantate (17) a voce sola, a due, e a 3 con bc, 1677

Besetzung: 4 Sänger, Harfe, Theorbe, Cembalo

Dauer: 60 Minuten ohne Pause; auf Anfrage auch erweiterbar auf 90 Minuten mit Pause


Im 17. Jahrhundert, dem Zeitalter der sich entwickelnden Naturwissenschaften, rückte der menschliche Körper erstmals in besonderer Weise in den Fokus der Künste. Während seine Abbilder zuvor meist bedeckt und statisch gestaltet waren, wird er nun in seiner prallen Lebendigkeit, voller Bewegung und Sinnlichkeit dargestellt. Peter Paul Rubens’ „Raub der Töchter des Leukippos durch Castor und Pollux“ ist eine beispielhafte Verherrlichung des menschlichen Körpers in einer Komposition voller Dramatik und barocker Sinnenfülle. Der Betrachter des Bildes findet sich dabei mit einem Mal mitten in einem schauspielartigen Spektakel wieder - bzw. im großen Welttheater, wie es Pedro Calderón de la Barca taufte.

Wie die Malerei entwickelte auch die Musik des 17. Jahrhunderts eine auf starke Affektwirkung ausgerichtete Sprache, die nicht nur schlicht Hell und Dunkel voneinander unterscheidet, sondern - in Verbindung mit dem gesungenen Wort - auf kleinstem Raum dramatische Entwicklungen detailliert nachvollziehen, größten Schmerz ausdeuten und sogar subtile, bevorzugt schlüpfrig-erotische Anspielungen machen kann.

Von dieser mitreißenden barocken Affektfülle in all ihren Farb(unter- und zwischen)tönen leben die Duette und Terzette dieses Programms, die einen Querschnitt durch das Schaffen der bedeutendsten Vokal-komponisten des Zeitalters bieten.

Stilikone in Venedig: Barbara Strozzi  
Zum 400. Geburtstag  
   
Barbara Strozzi (1619-1677) „Volano frettolosi“ zu fünf Stimmen
  „O soffrire o fuggire“ für zwei Soprane und Bass
  „Hor che Apollo - Serenata con violini”
  „Quante volte“ für zwei Tenöre
Dario Castello (1621-1658) Sonata terza a due (Aus: Secondo libro, 162
Barbara Strozzi (1619-1677) „Mi tien filli“ zu vier Stimmen
  „Pietosissimo amore” zu fünf Stimmen
***  
Barbara Strozzi (1619-1677) „L’usignolo“ zu vier Stimmen
Antonio Pandolfi Mealli (1624-1687) Sonata „La Castella”
Barbara Strozzi (1619-1677) „Lagrime mie“ für eine Stimme
Maurizio Cazzati (1616-1678) Passacaglio
Barbara Strozzi (1619-1677) „Dolcissimi respiri” zu vier Stimmen
  „Amor, amor” zu fünf Stimmen
   
Besetzung: 6 Sänger, 2 Violinen,  
Cembalo, Harfe, Theorbe  
   
   
   
Barbara Strozzi: La virtuosissima cantatrice  
Zum 400. Geburtstag  
Werke von Strozzi, Mealli, Cazzati, Castello  
   
Besetzung: 1 Sänger, 2 Violinen,  
Violoncello, Cembalo, Harfe, Theorbe  
   
   
   
Il duello amoroso  
Mit Raffele Pe und Filippo Mineccia  
Cristoforo Caresana (1640-1709) “Lamento degli occhi per non potersi vedere l’uno
  con l’altro”
Agostino Steffani (1654-1728) Duett “Prigionier io chiudo in petto”
Benedetto Marcello (1686-1739) Duett “Per saettarmi non ha più strali” S 444
Georg Friedrich Händel (1685-1759) “Caro autor di mia doglia” HWV 182a
Agostino Steffani (1654-1728) Duett “Io mi parto”
***  
Benedetto Marcello (1686-1739) Duett “Lontan dall’idol mio” S 437
Antonio Lotti (1667-1740) “Crudeltà Rimproverata”
Benedetto Marcello (1686-1739) Duett “Felice chi vi mira” S 420a
   
Besetzung: 2 Countertenöre, Violoncello,  
Harfe, Theorbe, Cembalo  

Bononcini und Caldara

Zwei Italiener in Wien

Während es den in Venedig geborenen Caldara nach Zwischenstationen in Mantua und Rom 1716 direkt nach Wien zog, wo er als Vizekapellmeister der Hofkapelle mit seinen Opern große Erfolge feierte und bis zu seinem Lebensende blieb, verlief die Biographie Bononcinis zwar anfänglich recht ähnlich - geboren in Modena, zog es auch ihn nach Aufenthalten in Bologna, Rom und Venedig 1692 nach Wien, wo er Mitglied der Hofkapelle wurde -, nahm dann aber einen recht abenteuerlichen Verlauf. Statt in Wien zu bleiben reiste Bononcini weiter nach Berlin und von da aus wieder zurück nach Italien, von wo aus ihn Georg Friedrich Händel 1720 für das italienische Opernhaus in London engagierte. In England feierte der Italiener zahlreiche Erfolge, allerdings wurde er 1728 zur persona non grata als man ihm das Plagiat eines Madrigals von Antonio Lotti nachweisen konnte. Er reiste nach Paris und anschließend nach Lissabon. 1737 verlor er bei dubiosen Spekulationen viel Geld und musste sich zeitweilig seinen Lebensunterhalt als Kopist verdienen. Untertänig wandte er sich an den Hof nach Wien und da ihm Kaiserin Maria Theresia ab 1741 eine Pension gewährte, verbrachte er den Rest seines Lebens an der Donau.


Besetzung: 2 Soprane, Alt, Bass, 2 Violinen, Violoncello, Harfe, Cembalo, Theorbe (reduzierte Besetzung möglich)



Round M | Monteverdi meets Jazz

Monteverdi fasziniert und inspiriert noch heute. Der natürliche, der Sprache angepasste Fluss seiner Vokalmusik verleiht ihr eine Unmittelbarkeit, der sich auch noch 450 Jahre später niemand zu entziehen vermag. Für Claudio Cavina, der sich während seiner gesamten künstlerischen Laufbahn mit der Musik seines Namensvetters auseinandergesetzt hat, öffnete sich mit der Zeit ein neuer Blickwinkel auf den Renaissancemeister. Am Ende war es verblüffend plausibel, die Musik Monteverdis in ein Jazz-Gewand zu kleiden, ohne ihr dabei in irgendeiner Form Gewalt anzutun.


Werke von Monteverdi, Sances, Marini, Merula, Strozzi und Ferrari


Besetzung: Sopran, Jazz-Saxofon, Drumset, 2 Violinen, Theorbe, Kontrabasss, Cembalo



Von Monteverdi...

...bietet La Venexiana des Weiteren die „Selva morale e spirituale“ an, das 7. und 8. Madrigalbuch (mit dem Combattimento di Trancredi e Clorinda), ein geistliches Programm kombiniert mit Werken von Tarquinio Merula, sowie die Marienvesper, die Vespri Solenni per la Festa di San Marco und die Opern.

Scherzi musicali - Wollust, Witz und Wehmut

Monteverdi, Meister des Lamento, kann gar nicht witzig sein? Oh doch und wie! In diesem Programm stellen die Spezialisten von La Venexiana den „Scherzi musicali“ – Unterhaltungsmusik im allerbesten Sinne! – groteske Szenen aus Monteverdis Opern gegenüber. Frech bis frivol sind diese Musikalischen Scherze, in denen gleich zu Beginn ein hormongestauter Liebhaber nicht nur eine „kleine Rose“ besingt, die er pflücken möchte, sondern auch etwas anderes rosa Aufblühendes hinterm Busch... „Serio ludere” – mit Ernst scherzen – nennt Monteverdi das, aber im Ernst: Diese Scherze bieten vor allem eins: Einen Abend der prallen, erotisch aufgeladenen Komik und ein sinnlich-vokales Feuerwerk!

Claudio Monteverdi (1567-1643) Damigella tutta bella / O Rosetta (Scherzi musicali)
Claudio Monteverdi Eccomi pronta ai baci (Settimo Libro dei Madrigali)
Ritornello: Biagio Marini (1594-1663) Una vecchia sdentata e bavosa (Scherzi e Canzonette)
Sinfonia: Claudio Monteverdi Oggi, oggi sarà Poppea (Incoronazione di Poppea)
Tarquinio Merula (1595-1665) Su la Cetra amorosa (Musiche concertate)
Sinfonia: Claudio Monteverdi Gira il nemico insidioso (Ottavo Libro dei madrigali)
***  
Claudio Monteverdi Maledetto sia l’aspetto (Scherzi Musicali)
Sinfonia: Claudio Monteverdi Chi parla, chi parla? (Incoronazione di Poppea)
Claudio Monteverdi Bel Pastor (Nono Libro dei madrigali)
Sinfonia: Claudio Monteverdi Ohimè ch’io cado (Quarto Scherzo delle ariose vaghezze)
Ritornello: Claudio Monteverdi Amor se fossi arciero (Il Ritorno di Ulisse in Patria)
   
Besetzung: 4 Sänger, 2 Violinen, Viola,  
Kontrabass, Barockharfe, Theorbe, Cembalo  

GEISTLICHE PROGRAMME


Maria Magdalena: heilige Sünderin

Maria Magdalena verkörpert wie kaum eine andere biblische Gestalt den Konflikt zwischen der göttlichen und der weltlichen Liebe. Obwohl in den Evangelien nichts davon zu lesen ist, dass die mittlerweile heiliggesprochene Jüngerin Jesu tatsächlich einmal eine Prostituierte war, ranken sich bereits seit dem 6. Jahrhundert amouröse Legenden um sie. Als reuige Sünderin wäscht sie Jesus die Füße. Fortan hängt ihr das anrüchige Doppelimage an, von dem sich zahlreiche Künstler inspirieren ließen, darunter Tizian und Tintoretto, aber auch Komponisten wie die opernerprobten, im selben Jahr geborenen Italiener Bononcini und Caldara, die in ihren Darstellungen des Stoffes die Spannung zwischen sakraler Reinheit und subtiler Erotik voll auskosten.


Giovanni Bononcini (1670-1747)

Zum 350. Geburtstag

La Conversione di Maddalena - Oratorium (1701)

Besetzung: 2 Soprane, Alt, Bass, 2 Violinen, Bratsche, Violoncello, Kontrabass, Harfe, Cembalo, Orgel, Theorbe


Antonio Caldara (1670-1736)

Zum 350. Geburtstag

La Maddalena ai piedi di Cristo - Oratorium (1713)

Besetzung: 2 Soprane, 2 Countertenöre, Tenor, Bass, 6 Violinen, 2 Bratschen, Violoncello, Kontrabass, Cembalo, Orgel, Theorbe