Tedi Papavrami & François-Frédéric Guy - Biografie

Tedi Papavrami © Jean-Baptiste Millot

Der in Albanien geborene Tedi Papavrami erhielt seinen ersten Violinunterricht im Alter vom fünf Jahren. Als Achtjähriger debütierte er mit den Zigeunerweisen von Pablo de Sarasate zusammen mit dem Philharmonischen Orchester von Tirana.

Tedi Papavrami studierte bei Pierre Amoyal am Conservatoire National Supérieur in Paris. 15-jährig schloss er das Studium ab, dem zahlreiche Auszeichnungen und weiterführender Unterricht bei Viktoria Mullova folgten. Seither führte ihn eine rege Konzerttätigkeit mit Dirigenten wie Kurt Sanderling, Antonio Pappano, Armin Jordan, Emmanuel Krivine, Manfred Honeck, François Xavier Roth, Thierry Fischer, Gilbert Varga und M. Aeschenbacher zusammen.

Als Kammermusiker war er neun Jahre lang Mitglied des Klavierquartetts Quatuor Schumann. Er trat mit Kammermusikpartnern wie Philippe Bianconi, Nelson Goerner, Maria Joao Pires, Martha Argerich, Gary Hofmann, Marc Coppey, Paul Meyer und Lawrence Power auf.

Tedi Papavramis Vielseitigkeit belegt eine umfangreiche Diskographie mit Werken von Bach und Scarlatti über Brahms und Saint-Saens bis Bartók und Prokofieff (Aeon, Naxos, harmonia mundi). Zuletzt erschienen eine Einspielung sämtlicher Sonaten von Eugène Ysaÿe (Zig-Zag, Diapason de l’année 2014) und die Aufnahme des Zweiten Violinkonzerts von Béla Bartók mit dem Philharmonischen Orchester Luxembourg und Emmanuel Krivine. 2017 veröffentlichte Alpha die von Tedi Papvrami und Nelson Goerner eingespielten Violinsonaten von Franck und Fauré. Beim Label Apparte werden demnächst CDs mit den Sonaten und Klaviertrios von Beethoven erscheinen, die Papavrami zusammen mit François-Frédéric Guy und Xavier Phillips eingespielt hat.

Seit 2011 arbeitet Tedi Papavrami an der Gesamtaufführung aller Violinsonaten und Klaviertrios von Beethoven zusammen mit dem Cellisten Xavier Phillips und dem Pianisten François Frédéric Guy, mit dem er häufig in Duoabenden zu erleben ist.

In der vergangenen Saison war Tedi Papavrami mit den Konzerten von Paganini, Beethoven, Sarasates Carmen-Fantasie und Ravels „Tzigane“ u.a. in Paris zu hören, gastierte mit dem Tschaikowsky-Konzert in Frankreich und mit Sibelius in Madrid sowie in Brüssel unter Patrick Davin mit Bernsteins Serenade. Gemeinsam mit Viktoria Mullova war er in Frankfurt zu hören und zusammen mit Jean-Guihen Queyras beim Gürzenich-Orchester unter François-Xavier Roth in der Kölner Philharmonie.

Tedi Papavrami spielt eine Stradivari „Le Reynier“ aus dem Jahr 1727. Er lebt in Genf, wo er seit September 2008 an der Haute École de Musique eine Geigenprofessur innehat.

Papavramis künstlerische Tätigkeiten beschränken sich nicht allein auf die Musik. Er hat auch die Werke des albanischen Schriftstellers Ismail Kadaré ins Französische übersetzt und 2003 auf Vermittlung Jeanne Moreaus in der französischen Miniserie „Gefährliche Liebschaften“ die Rolle des Geigers Danceny gespielt. Für seine Autobiographie “Fugue pour violon seul“ erhielt er 2014 den Prix d'excellence de la Société littéraire de Genève.

François Frédéric Guy © Caroline Dourtre

François-Frédéric Guy gilt an erster Stelle als herausragender Interpret der Musik der deutschen Romantik und ihrer Wegbereiter. Wie kaum ein anderer erfasst er ihre kompositorische Architektur und lässt sie plastisch werden. Entwickelt hat er diese Fähigkeit besonders im intensiven Dialog mit der Musik Beethovens.

Der Pianist hat zudem eine besondere Affinität zu Bartók, Brahms, Liszt und Prokofjew und ist auch der zeitgenössischen Musik verpflichtet. Eng verbunden ist er den Komponisten Ivan Fedele, Marc Monnet, Gérard Pesson, Bruno Mantovani und Hugues Dufourt, der ihm Erlkönig, sein Meisterwerk für Klaviersolo (2006), widmete. Aus der Taufe hob er unter anderem auch Mantovanis Double Concerto (2012), das er mit dem Orquestra Sinfónica do Porto, dem Orchestre du Capitole de Toulouse und dem BBC Symphony Orchestra aufführte. Mit dem Seoul Philharmonic Orchestra spielte er 2013 die südkoreanische Erstaufführung von Tristan Murails Le Désenchantement du monde.

In der laufenden Saison führt er mit seinen Beethoven-Interpretationen sowie mit zahlreichen play-conduct Konzerten zwei künstlerische Schwerpunkte weiter. Die lange Liste seiner Auftritte mit dem Zyklus der 32 Klaviersonaten Beethovens, mit denen er beispielsweise schon in Washington, Paris, Rio de Janeiro, Monte Carlo, Norwich, Metz und Buenos Aires zu Gast war, setzt er mit Konzerten in Seoul fort. Ein kompletter Cellosonatenzyklus mit Xavier Phillips folgt in Tokio bei der Musashino Foundation.

Auch als Orchesterleiter vom Klavier aus profilierte sich François-Frédéric Guy zunächst mit den Konzerten Ludwig van Beethovens, die er, bevor er sie bei einer ganzen Reihe von Orchestern dirigierte, vielfach in Konzerten aufgeführt und auch auf CD eingespielt hatte. In der aktuellen Spielzeit ist er unter anderem im Rahmen seiner Residenz beim Orchestre de Chambre de Paris mit dem Dirigat von Beethovens Tripelkonzert sowie der 5. Sinfonie zu erleben. Am Grand Théâtre de Provence gastiert das Orchester unter seiner Leitung mit den Klavierkonzerten Nr. 3 und 4. Das Orquesta Sinfónica de Tenerife interpretiert mit ihm den kompletten Klavierkonzert-Zyklus, und bei seinem play-conduct-Konzert mit dem Orchestre de Limoges et du Limousin steht neben Beethoven auch Mozart auf dem Programm.

Daneben ist François-Frédéric Guy weiterhin mit vielfältigem Repertoire als Solist bei Orchestern zu Gast und wird beispielsweise in der laufenden Saison auf einer Tournee mit Le Concert Olympique unter anderem an den Philharmonien in Berlin und Essen sowie am Flagey Brüssel zu erleben sein; weiter stehen Auftritte mit dem Orchestre National de Lyon, der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, dem Orquestra Simfònica del Gran Teatre del Liceu sowie sein Debüt beim French May Hongkong an.

Zu den Orchestern, die ihn bisher als Solisten einluden, gehören das Philharmonia Orchestra, die Münchner Philharmoniker, die Wiener Symphoniker, das Orchestre Philharmonique de Radio France, das Orchestre de Paris und das Tonhalle-Orchester Zürich; dabei arbeitete er mit weltbekannten Dirigenten wie Esa-Pekka Salonen, Kazushi Ono, Marc Albrecht, Philippe Jordan, Daniel Harding, Neeme Järvi, Lionel Bringuier, Michael Tilson Thomas und Kent Nagano. Solorezitale führten ihn in die großen Konzertsäle in London, Mailand, Berlin, München, Moskau, Paris, Wien und Washington und auf Festivals wie das Festival de Piano de la Roque d'Anthéron, das Chopin-Festival Warschau, das Beethovenfest Bonn, den Printemps des Arts de Monte-Carlo und das Cheltenham Festival.

Kernstück seiner Diskographie ist die Gesamtaufnahme der Beethovensonaten, erschienen 2013 beim Label Zig-Zag Territoires, das bereits sein hochgelobtes Liszt-Album mit den Harmonies poétiques et religieuses herausgebracht hatte. Bei Evidence Classics erschien 2017 sein erstes Brahms-Album mit den drei Klaviersonaten. Seine Aufnahme von Beethovens Cellosonaten gemeinsam mit Xavier Phillips hatte zuvor bereits ausgesprochen gute Presse erhalten (Recording of the month bei Gramophone sowie MusicWeb International). Im Herbst 2017 erscheint die Einspielung der Violinsonaten mit Tedi Papvrami; die Vervollständigung der Aufnahme von Beethovens Klavier-Kammermusikwerk mit dessen Klaviertrios ist in Planung.