Albert Schweitzer Quintett
Freischütz & Co - Ein Opernabend ohne Gesang
von und mit Joachim Reiber
"Die Musik kenne ich zur Genüge", singt Leporello in der Schlussszene von Mozarts "Don Giovanni", und Mozart, der Schalk, glänzt dabei mit Selbstironie. Denn die Musik, die hier als schon fast lästiger Ohrwurm zitiert wird, stammt aus der "Hochzeit des Figaro". Wenn sich Mozarts Don Giovanni so richtig amüsieren will, bestellt er sich Musik: Oper ohne Gesang, gespielt von einem Bläserensemble. So kennt man es aus dem Finale von „Don Giovanni“. Und damit ist klar bewiesen: Es war schon immer gute Tradition, sich einmal nur die Rosinen aus dem Kuchen zu picken und nur die Opern-Highlights zu spielen. „Harmoniemusiken“ waren die Hitparaden der Vergangenheit.
Das Programm, das Joachim Reiber (Text) und das Albert Schweitzer Bläserensemble präsentieren geht von solchen Hits aus. Zu hören ist, ganz wie einst an der Tafel des Don Giovanni, ein "Best of" aus der Welt der Oper. Musik aus Mozarts "Così van tutte", "Don Giovanni", "Hochzeit des Figaro" und "Zauberflöte", Musik aus Bizets "Carmen", Smetanas "Verkaufter Braut" und natürlich Webers "Freischütz".
„Freischütz & Co.“ ist ein Abend der besonderen Art: Ein Opernabend, der ganz ohne Gesang auskommt, bei dem der Gesang allerdings trotzdem kaum vermisst wird. Denn wenn das Singen unterbleibt, lässt sich endlich frei und locker reden in der Oper und über die Oper. Über Männer und Frauen und über die Liebe, über Tenöre und Soprane, Altistinnen und Bässe, über das Afrikanische in Bizets "Carmen" und das Schwäbische in der "Verkauften Braut", über die Kunst des Beginnens und Endens und natürlich über den "Freischütz", diese so merkwürdige und ach so typische deutsche Oper. Ein Opernabend ohne Gesang. Und ein Abend mit ungeahnten Möglichkeiten.

© Volker Strohmaier
Joachim Reiber
Joachim Reiber, in Stuttgart geboren, schreibt beruflich über Musik – vor allem in seiner Eigenschaft als Redakteur der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Hier ist er für die Programmhefte und das mehrfach international ausgezeichnete Magazin „Musikfreunde“ zuständig. Texte von ihm finden sich aber auch in Programmheften von Opernhäusern wie der Wiener Staatsoper und der Bayerischen Staatsoper München, von Orchestern wie dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR oder von Festivals wie den Salzburger Festspielen und den Musikfestspielen Schwäbischer Frühling, bei denen er auch regelmäßig Einführungsvorträge hält. Literarisch-musikalische Programme mit eigenen Texten präsentiert er mit dem Albert Schweitzer Ensemble und dem Jommelli Quartett Stuttgart.
Reiber studierte Germanistik und Geschichte in Tübingen und Wien und promovierte mit einer literaturwissenschaftlichen Studie über Operntexte, die auch in Buchform veröffentlicht wurde („Bewahrung und Bewährung. Das Libretto zu Carl Maria von Webers ‚Freischütz’ im literarischen Horizont seiner Zeit“, München 1990). 2007 erschien sein Buch „Wiener Singverein. Menschen Stimmen Götterfunken“.