Marmen Quartet - Programme

Programmvorschläge 2021 | 2022

„Symbiose“  
   
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Streichquartett Es-Dur KV 428
Salvatore Sciarrino (*1947) Sei Quartetti Brevi
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Franz Schubert (1797-1828) Streichquartett G-Dur op. 161 D 887

Die Vertrautheit Mozarts neben der Fremdheit Sciarrinos - scheinbare Gegensätze stehen hier Seite an Seite und bereiten den Weg für Schuberts monumentales G Dur-Quartett, in dem die Suche nach Aussöhnung zwischen Liebe und Schmerz, Leben und Tod, Dur und Moll ihren Höhepunkt findet. Am Ende der Reise liegt eine verborgene Wahrheit: entgegengesetzte Pole können nicht ohne den jeweils anderen bestehen; sie definieren sich gegenseitig in einem zauberhaften Zustand der Symbiose.

„Ungarn aus drei Perspektiven“  
   
Joseph Haydn (1732-1809) Streichquartett B-Dur op. 64 Nr. 3 Hob.III:67
György Ligeti (1923-2006) Streichquartett Nr. 1
  „Metamorphoses nocturnes“ 1953/54
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Johannes Brahms (1833-1897) Streichquartett c-Moll op. 51 Nr. 1

Weggehend: Während der vielen Jahre am Hofe Esterhazy hatte Ungarn wesentlichen Einfluss auf Haydn. Zum Zeitpunkt seines Opus 64 jedoch steckte er in den Vorbereitungen für seine Abreise nach London. Er hatte bereits die größeren Säle der englischen Hauptstadt im Sinn, als er diese Reihe von Streichquartetten komponierte.

Hingezogen: Brahms wuchs in Deutschland auf, doch es zog ihn immer zur ungarischen Musik - zwei seiner wichtigsten Kammermusikpartner waren ungarische Geiger - und so zog er auch schließlich nach Wien, um die geographische Lücke zu dieser verlockenden Kultur zu schließen. Der Ungarische Stil durchdringt Brahms’ Musik, insbesondere zum Beispiel in seinen Ungarischen Tänzen, oder - meisterhaft eingeflochten - in seinen Streichquartetten.

Gefangen: Ligeti wurde in Transsilvanien geboren, wo Bartók viele seiner Volksmelodien gesammelt hatte, saß jedoch in Folge des 2. Weltkrieges in Ungarn fest, wo er unter den Einschränkungen des Eisernen Vorhangs zu komponieren versuchte. Obwohl sein erstes Streichquartett ein Meisterstück und, in seinen eigenen Worten, ein sehr „persönliches Werk“ ist, war sein Kompositionsstil in einer Zeit, als Komponisten im Westen die Grenzen der Avantgarde überwanden, vergleichsweise konservativ.