Cédric Pescia - Programme

Hommage à trois: Ein Monument für Beethoven

Zum Beethoven-Jahr 2020


Eine Mischung aus Faszination und Irritation prägte das Verhältnis von Franz Liszt und Robert Schumann – auf der einen Seite der international als schillernder Superstar gefeierte komponierende Tastenvirtuose, auf der anderen Seite der in sich gekehrte Tondichter empfindsamen Gemüts mit einem Hang zur Melancholie, den ein versteifter Finger (vermutlich zu seinem eigenen Glück) um eine Pianistenkarriere brachte. Eins hatten allerdings beide gemeinsam: ihre uneingeschränkte Verehrung für Ludwig van Beethoven.

Als die Stadt Bonn plante, Beethoven zum Gedenken seines 75. Geburtstags ein Monument auf dem Münsterplatz zu errichten, ließ Schumann seine bewährten Doppelgänger in der Neuen Zeitschrift für Musik darüber sinnieren, wie ein Denkmal für Beethoven aussehen könnte. Während Florestan, der Kämpferische, behauptet, Beethovens Werke, im Schmerz geboren, seien selbst Denkmal genug, war Eusebius der Ansicht, dem Gott müsse ein Tempel errichtet werden: „Wär ich ein Fürst, einen Tempel im Palladiostil würde ich ihm bauen: darin stehen zehn Statuen; […] unter neun der Statuen meine ich, wie die Zahl der Musen, so die seiner Sinfonien […], er selbst der göttliche Musaget.“ – Personenkult vs. Weiterleben im Kunstwerk, auch hier spiegelt sich der Dualismus von Öffentlichkeit und Privatheit, den Liszt und Schumann verkörperten.

Wen wundert es schließlich, dass Liszt zum Hauptstifter des Denkmals wurde, indem er einen beträchtlichen Teil seines Vermögens, insgesamt über ein Viertel der Gesamtkosten, spendete und die feierliche Enthüllungszeremonie am 12. August 1845 persönlich (!) leitete. Schumanns „Obolus auf Beethovens Denkmal“ fiel privater, geradezu intim aus, als eine Hommage à trois: Für Beethovens Monument, für den Widmungsträger Liszt und für seine zukünftige Frau Clara Wieck komponiert er die Fantasie C-Dur, in der neben dem Liederzyklus „An die ferne Geliebte“ auch das Trauermarsch-Thema aus Beethovens 7. Sinfonie anklingt, das zudem den Etüden WoO 31 zugrundeliegt.

Robert Schumann (1810-1856) Etüden in Form freien Variationen über ein Thema von
  Beethoven WoO 31 (Auswahl)
Ludwig van Beethoven (1770-1827)/ Transkription der Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92 für Klavier
Franz Liszt (1811-1886)  
***  
Ludwig van Beethoven (1770-1827)/ Transkription des Liedes „An die ferne Geliebte“
Franz Liszt (1811-1886) für Klavier  
Robert Schumann (1810-1856) Fantasie C-Dur op. 17
Programmvorschläge 2019-2020  
   
Variationen aus vier Jahrhunderten  
Girolamo Frescobaldi (1583-1643) Cento Partite sopra Passacagli (Aus: „Il primo libro di Toccate”, 1637)
Anton Webern (1883-1945) Variationen op. 27
Ludwig van Beethoven (1770-1827) Sonate Nr. 30 E-Dur op. 109
***  
Johann Sebastian Bach (1685-1750) Goldberg-Variationen „Aria mit verschiedenen
  Veränderungen“ BWV 988
   
   
Schumannfantasien  
Robert Schumann (1810-1856) Papillons op. 2
Heinz Holliger (*1939) „Elis“ - Drei Nachtstücke für Klavier nach Gedichten
  von Georg Trakl
Karlheinz Stockhausen (1928-2007) Tierkreis (Auszüge)
Robert Schumann (1810-1856) Fantasiestücke op. 12
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György Kurtag (*1926) Auszüge aus „Játékok“
Robert Schumann (1810-1856) Fantasie C-Dur op. 17
   
   
Beethovens Testament  
Ludwig van Beethoven (1770-1827) Sonate Nr. 30 E-Dur op. 109
Ludwig van Beethoven (1770-1827) Sonate Nr. 31 As-Dur op. 110
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Ludwig van Beethoven (1770-1827) Sonate Nr. 32 c-Moll op. 111
   
   
Schubert in a-Moll  
Franz Schubert (1797-1828) Sonate Nr. 4 a-Moll D 537
Franz Schubert (1797-1828) Sonate Nr. 14 a-Moll D 784
***  
Franz Schubert (1797-1828) Sonate Nr. 16 a-Moll D 845
   
   
J. S. Bach-Zyklus  
Jeder Teil ist auch als Einzelkonzert möglich.  
Teil I Die Kunst der Fuge BWV 1080
Teil II Das Wohltemperierte Klavier I BWV 846-869
Teil III Das Wohltemperierte Klavier II BWV 870-893
Teil IV Goldberg-Variationen „Aria mit verschiedenen Veränderungen“ BWV 988
   
   
Cage pur  
John Cage (1912-1992) Sonatas and Interludes for prepared piano
   
   
Beethoven - Cage  
Es werden zwei Flügel benötigt, von denen  
einer von Cédric Pescia präpariert wird.  
John Cage (1912-1992) In a landscape
Ludwig van Beethoven (1770-1827) Auszüge aus seinen Bagatellen im Wechsel mit
John Cage (1912-1992) Sonatas and Interludes for prepared piano
***  
John Cage (1912-1992) Music for Toy Piano
Ludwig van Beethoven (1770-1827) Sonate Nr. 32 c-Moll op. 111
John Cage (1912-1992) 4'33''
   
   
   
   
CEDRIC PESCIA & PHILIPPE CASSARD  
Klavier vierhändig  
   
Franz Schubert - Das Jahr 1828  
In einem dreiteiligen Konzertprogramm  
spielen Cédric Pescia und Philippe Cassard  
Klavierwerke aus dem letzten Lebensjahr  
von Franz Schubert in chronologischer Reihenfolge.  
   
Teil I (ca. 80 Minuten)  
3 Klavierstücke D 946 (Cassard)  
Allegro a-Moll „Lebensstürme“ D 947 (beide)  
Sonate Nr. 19 c-Moll D 958 (Pescia)  
   
Teil II (ca. 45 Minuten)  
Rondo D 951 (beide)  
Sonate Nr. 20 A-Dur D 959 (Cassard)  
   
Teil III (ca. 60 Minuten)  
Fantasie f-Moll D 940 (beide)  
Sonate Nr. 21 B-Dur D 960 (Pescia)  
   
   
Schuberts Lebensstürme  
Franz Schubert (1797-1828) Rondo A-Dur D 951
  Allegro a-moll „Lebensstürme“ D 947
  Auszüge aus 3 Klavierstücke D 946 (Pescia)
  Impromptus op. 142 (Cassard)
***  
Franz Schubert (1797-1828) Fantasie f-moll D 940

Der Notenschrank des Cédric P. | Ein pianistisches Daumenkino

Konzept: Georg Nussbaumer

Ein Konzertpianist, auch wenn er meist auswendig spielend auftritt, besitzt immer eine umfangreiche Notensammlung. Ein nie vollständiges und je nach Vorlieben, Herkunft und Ausbildung nach und nach angereichertes Archiv aus Hunderten von Heften mit pianistischer Weltliteratur ebenso wie mit Stücken, die er gekauft aber nie gespielt hat oder mit Werken, die er schon als Kind auf dem Pult hatte. So einen Notenschrank in seiner ganzen Vielfalt zum Klingen zu bringen, also die gesammelten Werke in einem Zug und von A bis Z durch zu spielen ist die Absicht dieses Projekts - ein Schnelldurchlauf, ein pianistisches Daumenkino.

Für den Pianisten Cédric Pescia, der - von einigen Ausreißern abgesehen - seine ca. 1.000 Notenhefte alphabetisch geordnet aufbewahrt, hat Georg Nussbaumer in seinem Daumenkinokonzept Regeln entwickelt, die festlegen, welche Ausschnitte ausgewählt werden und wie sie miteinander zu verbinden sind. Aus Bergen kopierten Papiers, Schere und Klebstoff entstand so eine riesige Notenkollage, die bei Albeniz beginnt, über Bach, Bartok, Beethoven, Brahms, usw. bis hin zu Wolf, Yun und Zimmermann führt. Als „Coda“ folgen Reste: gerade am Klavier herumliegende Noten, Lehrwerke und ein separat verwahrter Stapel mit Opern der beiden 1813 geborenen Giganten Verdi und Wagner.

Ein klingendes Lexikon der Klaviermusik, in dem Wohlbekanntes und nie Gehörtes mal kaum merklich, mal unvermittelt schroff ineinander übergeht und das mit ständigen Tempo-, Tonart- und Texturwechseln die bequemen Hörgewohnheiten seines Publikums herausfordert.