Brentano String Quartet - Programme

Programme 2019/2020  
   
Aufblühende Variationen  
Wolfgang A. Mozart (1756-1791) Streichquartett A-Dur KV 464
Ludwig van Beethoven (1770-1827) Streichquartett in A-Dur op. 18 Nr. 5
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Ludwig van Beethoven (1770-1827) Streichquartett Es-Dur op. 127

Beethoven fertigte sich eine Abschrift von Mozarts Quartett in A-Dur KV 464 an und ließ sich besonders von seinem äußerst geistreichen Variationssatz für sein eigenes Quartett op. 18 Nr. 5 in derselben Tonart inspirieren. Aller familiärer Linearität zum trotz verharrt Beethovens Quartett keinesfalls in bloßer Nachahmung, sondern erkundet, ausgehend von einem Thema, wie es simpler nicht sein könnte, dessen mannigfaltige versteckte Farben und lässt so den Einfallsreichtum Mozarts in seinem Satz nachhallen. Blickt man von hier aus auf Beethovens Spätwerk Op. 127, zeigt sich, wie sich die Idee des Variationssatzes als solche transformiert hat. Das Thema kristallisiert sich förmlich erst durch seine verschiedenen Metamorphosen heraus.

„Quartetto serioso“ - Verdichtung in f-Moll  
Johann S. Bach (1685-1750) Präludium f-Moll (Wohltemperiertes Clavier, Heft II)
Ludwig van Beethoven (1770-1827) Streichquartett f-Moll op. 95 “Serioso”
Bruce Adolphe (*1955) Coiled (inspiriert von Beethovens op. 95) (2017)
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Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) Streichquartett Nr. 11 f-Moll
Felix Mendelssohn B. (1809-1847) Streichquartett f-Moll op. 80

Schon im Präludium von Bach offenbart sich die samtig dunkle Klangqualität der Tonart f-Moll, die nur wenig Lichteinfall zulässt und eine Atmosphäre von Dichte suggeriert. Beetho-ven schuf mit seinem Quartett op. 95, das den Beinamen „Serioso“ trägt, eine Komposition von größter Kompaktheit und einer gewaltigen, gleichsam verdichteten Energie. Als das En-semble den Komponisten Bruce Adolphe bat, ein von Beethoven inspiriertes Werk zu schrei-ben, antwortet er: “Opus 95: so many nuggets of genius: the unhinged rhythmic knots, the scales off the cliff's edge, the muttering, the gnashing of molars!” Das Ergenis ist „Coiled“ (dt. „aufgewickelt“/ „zusammengerollt“). Eine ebensolche “zusammengerollte” Intensität durch-zieht das eloquente f-Moll-Quartet von Schostakowitsch (Auch Beethovens op. 95 ist sein elftes Quartett!). Und es ist kein Zufall, dass auch Mendelssohns letztes Quartett, das im Schatten des Todes seiner Schwester entstand, sich in seiner Tonart auf Beethovens maß-stabsetzendes „Quartetto serioso“ bezieht.

Dankgesänge  
Giovanni P. da Palestrina (1525-1594) Gloria Patri
Ludwig van Beethoven (1770-1827) Streichquartett a-Moll op. 132
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Mario Davidovsky (*1934) Streichquartett Nr. 5 (Dank an op. 132)
Felix Mendelssohn B. (1809-1847) Streichquartett in a-Moll op. 13

In seinen letzten Jahren entwickelte Beethoven großes Interesse für die Musik der Renais-sance, das ihn u.a. dazu brachte, sowohl zum Zweck des Studiums als auch im Sinne einer Hommage, das „Gloria Patri“ von Palestrina abzuschreiben. Ihm schwebte vor, eine Sinfonie unter Verwendung alter Kirchentonarten zu schreiben, die allerdings nie entstehen sollten. Stattdessen floß der Gedanke in seinen höchst außergewöhnlichen „Heiligen Dankgesang ei-nes Genesenen an die Gottheit, in der lydischen Tonart“ ein, der in sein Quartett op. 132 in-tegrierte. Mendelssohn und Davidovsky beziehen sich wiederum im Sinne einer Danksagung auf Beethovens Spätwerk. Davidovsky entnimmt sein Ausgangsmaterial dem „Heiligen Dank-gesang“ und verarbeitet es in seinem eigenen musikalischen Idiom, woraus ein Werk ent-steht, das zugleich intim und mitreißend ist. Mendelssohns frühes Meisterwerk Op. 13 spielt gleich auf mehrere von Beethovens späten Quartetten an, aber es ist fraglos Op. 132, dessen Einfluss sich am stärksten manifestiert. Es ist ungemein spannend, Beethoven durch die Oh-ren seiner Nachfolger zu hören und nachzuvollziehen, wie Ideen adaptiert und weiterdacht wurden.